Hart aber Herzlich, das ist ne ziemliche Scheiße, die du da schreibst und auch von deinem Post, HypNeo bin ich ausnahmsweise streckenweise enttäuscht.
Das MKS zu studieren und anzuwenden bedeutet NICHT, dass man von Schicksalsschlägen aller Art verschont bleibt. Es ist auch kein Trauer- oder Enttäuschungsverhinderungsprogramm. Leider studieren noch immer viele Leute mit genau dieser Einstellung und Erwartungshaltung und ziehen sich enttäuscht wieder zurück. Andere kramen es in harten und schweren Zeiten wieder hervor in der Hoffnung, dass jetzt dadurch alles gut werden möge. Wir dürfen bei Postings wie dem von Marty nicht vergessen, dass man hier mit Taschenspielerpsychologie in keinster Weise voran kommt.
Zunächst mal hat es überhaupt keinen Sinn, immer und überall versuchen zu wollen, dass "negative" Gefühle sofort und unter allen Umständen zu verdrängen sind, weil man sonst noch mehr davon anzieht. Das ist oberflächliches "The Secret" - Gequatsche. Wenn jemand im nahen Umfeld stirbt, dann ist man traurig. Punkt. Das kann man ruhig auch mal so akzeptieren. Dass in Phasen solch geballter Schicksalsschläge die Nerven zuweilen blank liegen, ist auch erklärlich. Aus deinem Post, Hart aber Herzlich, spricht der Wunsch zu helfen, aber der Wunsch allein reicht nun mal eben nicht immer. In meinen Augen gleichst du mit deinem Post einem Mann auf einem Schiff, der einem Schiffbrüchigen zuruft, er soll sich nicht so auf das Wasser um ihn herum konzentrieren.
Verdrängte Trauer wirkt im Unterbewusstsein weiter. Nicht umsonst ist der Mensch mit der Fähigkeit der Trauer ausgestattet worden. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass man sein Bewusstsein auf etwas negatives ausrichtet. Menschen sterben. So ist das nunmal. Das lässt sich auch nicht mit positivem Denken verhindern. Auch ist der Wunsch, negative (bzw. schmerzvolle, wenn wir schon so eine Haarspalterei betreiben wollen) Gefühle schnell wieder loswerden zu wollen, nicht einfach einem Glaubenssatz geschuldet sondern dem allgemein verbreiteten Bedürfnis, sich gut fühlen zu wollen. Wer möchte schon auf Dauer Schmerz ertragen müssen? Am Ende ist die Frage, ob solch hochphilosophischen Ausführungen dem Gegenüber helfen oder den eigenen Intellekt befriedigen sollen.
HypNeo hat aber schon Recht, wenn er fragt: "Was ist jetzt zu tun?" Was, Mary, denkst DU, ist jetzt zu tun? Was ist dein Plan? Wo liegen deine Prioritäten? Die Prioritäten zu klären, dürfte in der momentanen Lage wohl das wichtigste sein. Ist es deine Ehe? Dein Job? Wie soll das Leben aussehen, das du konstruieren möchtest? Die Trauer und Niedergeschlagenheit zu akzeptieren ist sicher wichtig; ein Fehler wäre es, darin aufzugehen. Was also kannst du tun, um dich besser zu fühlen. Und führt das, was dir grade in den Sinn kommt, wirklich dazu, dass du dich auf Dauer besser fühlst? Meist ist das, was im Moment nicht so angenehm ist das, was auf Dauer dazu führt, dass man sich besser fühlt. Im Fitnessstudio an den Gewichten zu ziehen mag im Moment schmerzhaft sein, aber langfristig fühlt man sich damit besser. Rohen Brokkoli zu essen mag im Moment nicht so angenehm sein, wie eine Tüte Chips zu essen, aber langfristig wird man sich damit besser fühlen.
Dass dein Vater gestorben ist, lässt sich nicht verändern. Hier ist die Akzeptanz wichtig, von der HypNeo auch spricht. Akzeptanz hat hier etwas mit gehen lassen zu tun. Wo du aber etwas ändern kannst, ist z. B. deine Ehe. Was möchtest du hier in Angriff nehmen? Das MKS lehrt uns, einen Plan zu haben. Nicht nur ein Ziel, sondern auch einen Plan. Es lehrt uns, zu gehen und nicht nur zu träumen (viele träumen und wünschen ja eher und nennen das dann visualisieren). Das MKS ist kein Schuztschild vor Schicksalsschlägen, aber es hilft uns, Herr über die Lage zu bleiben. Was ist jetzt zu tun? HypNeos Frage ist im Moment Gold wert. Damit kannst du unter Umständen deine Handlungsfähigkeit zurückgewinnen.
Es ist völlig in Ordnung, auch mal so einen Jammern-Leiden-Klagen Post zu verfassen, wenn es nicht die ständige Grundhaltung wird. Aus deinem Post, Marty, spricht ja auch eine Menge Selbstreflexion. Der wichtigste Satz in dem Post ist der Satz "wenn ich mich selbst nicht ändere...". Und um einen neuen Kurs bestimmen zu können muss man eben auch mal dahin schauen, wo man grade ist. Das hat überhaupt nichts mit Bewusstseinsausrichtung zu tun. Binde deine Familie in deine Pläne mit ein. Besprich sie mit deiner Frau. Gehe den Weg gemeinsam mit ihr und erwarte nicht, dass ab morgen nur noch die Sonne scheint. Als erstes setze dir - wie HypNeo ja schreibt - erst mal Ziele. Formuliere einen Zustand, den du erreichen willst. In jedem Lebensbereich. Dann mache dir einen Plan. Vielleicht musst du dazu ein Buch lesen, oder jemanden um Rat fragen. Lass dir nicht einreden, dass du Trauer und Schmerz sofort eliminieren musst, indem du positiv denkst. Aber geh auch nicht darin auf. Deine Situation in der Ehe ist sicher auch eine gute Gelegenheit, Glaubenssätze ausfindig zu machen, die dir hinderlich sind. Es mag sein, dass du dazu Hilfe von außen brauchst. Mache in den Bereichen, die du nicht unbedingt brauchst, die dich aber belasten, eine Pause - wie z. B. den Devisenhandel, den du offensichtlich nur nebenbei betreibst und finde ein ausgeglichenes Maß zwischen Aktivität und geistiger Arbeit. Wenn dir nach losheulen ist, dann heule los.
Was genau ist ein Gegenvorschlag für dich? Ich hoffe nicht "ich fühle mich gut", wenn du dich grade scheiße fühlst, oder? Zu dem Thema könnte das Kapitel 13 für dich sehr interessant sein.



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